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An verschiedenen Orten, in Seen, Tümpeln, Teichen werden Plastikplanen von 0,007 mm und 50 m² in die Gewässer gelegt. Die Plastikhaut wirkt wie eine Membran zwischen Wasser und Luft. Durch die Bewegung des Wassers und die Strömung der Luft tritt eine lebendige und bewegliche Oberflächenstruktur in Erscheinung.
WasserHaut:
Die Darstellung einer künstlich geschaffenen Oberfläche des Wassers. Eine Plastikplane wird auf das Wasser gelegt und durch die dauernden Bewegungen der Kräfte (Wind, Wasser, Luft) werden dadurch unterschiedliche Assoziationen vermittelt.
Material:
Plastikplane (durchsichtig) 0,007 mm stark/50 m² Fläche
Ort: Fluß (Sulm), See (Oedt), Teich (Traun)
Fluß: Dauernde Änderung der Oberflächenstruktur bedingt durch
die Strömung des Wassers.
See: Minimale Änderung der Oberflächenstruktur durch die geringe Strömungsgeschwindigkeit
(Wind).
Teich: Fixe Oberflächenstruktur keine Bewegung.
Theologische
Annäherung:
(Dr. Markus Schlagnitweit)
... Ich unternehme meinen theologischen Annäherungsversuch an Lore Demels hier ausgestellte Arbeiten zunächst über deren zentralen thematischen Gegenstand: Wasser spielt in vielen Weltreligionen eine Rolle von eminenter oder zumindest von beständiger Bedeutung. Denken Sie etwa an den Ganges, den heiligen Strom der indischen Hindus, an den Jordan als Grenzfluss und Lebensader des gelobten Landes der Juden, an die allen 5 täglichen Gebetszeiten der Muslime vorangehenden rituellen Waschungen. Im Christentum gleich welcher konfessionellen Prägung ist Wasser seit den ersten Anfängen das zentrale Symbol des christlichen Grundsakraments, der Taufe: Wasser tritt uns dabei – entgegen immer wieder begegnenden Vorstellungen – weniger als ein Element der Reinigung entgegen (als solches hätte es in der Feier des Bußsakraments wohl einen angemesseneren und leichter nachvollziehbaren Platz). Nein, das Wasser der Taufe ist vielmehr Symbol für Gott selbst. Als Grundstoff allen Lebens – ohne Wasser kann nichts leben, und praktisch überall, wo es Wasser gibt, kommt auch Leben vor – symbolisiert das Wasser Gott als den Urgrund und Erhalter allen Lebens. So wie in den antiken Taufliturgien und auch noch in den Taufriten mancher christlicher Kirchen heutzutage die Täuflinge bei der Taufe vollständig untertauchen im Taufwasser, sodass das Wasser sie ganz umfängt und nichts ausgespart bleibt – so vollständig ist bzw. soll nach dem Zuspruch des Taufsakraments das Leben der Getauften umfangen sein von Gottes liebender und bergender Gegenwart.
Aber noch in einer weiteren Eigenschaft – nicht nur als Grundstoff allen Lebens – ist das Wasser Metapher für den biblischen Gott: Viel wichtiger noch als etwa die Reinheit des Wassers war den antiken Vorschriften zum Taufritus, dass die Taufe nach Möglichkeit in fließenden Gewässern stattzufinden hatte, also in Bächen oder Flüssen. Nicht nur die Tatsache, dass es ohne Wasser kein Leben gibt, sondern auch die ewige Bewegtheit des Wassers spielt also eine wesentliche Rolle in seiner religiösen Metaphorik für den ewig lebendigen Gott. Damit aber sind wir überhaupt angelangt bei einem zentralen Zug des biblischen Gottesbildes bzw. Gottesverständnisses: Wie Sie vermutlich wissen, hatten die biblischen Religionen immer ein gespanntes Verhältnis zu allen Versuchen der bildlichen Darstellung Gottes, was in manchen Phasen der Religionsgeschichte zu radikalen Bilderverboten und sogar zu regelrechten Bilderstürmen führte. Das mosaische Gebot, sich kein Bild von Gott zu machen, soll seine Gläubigen vor der Illusion bewahren, Gott sozusagen letztgültig darstellen, erfassen und begreifen zu können. Das Wesen Gottes übersteigt jede menschliche Darstellungskunst und jedes menschliche Begreifen. Gott ist immer „der ganz Andere“. – Das gilt übrigens nicht nur für alle Versuche der bildlichen Darstellung Gottes, sondern nicht weniger für alle Versuche, Gott in Begriffe zu fassen, also von bzw. über Gott zu reden; betroffen ist mithin das ureigene Geschäft der Theologie. Ein uraltes theologisches Grundprinzip besagt dementsprechend: Alles, was wir von Gott bzw. über Ihn aussagen können, ist Ihm jeweils unähnlicher als ähnlich.
Dieses theologische Grundprinzip ist nun genau mein Anknüpfungspunkt zu den WasserHäuten Lore Demels. Wenn das Wasser in seiner Bewegtheit, in der Nicht-Erfassbarkeit seiner Oberfläche eine Metapher für den ewig lebendigen und jedes menschliche Fassungsvermögen überfordernden Gott der Bibel ist, dann können diese WasserHäute als Metapher und Gleichnis dienen für alle immer ungenügend bleibenden Versuche des Menschen, das Wesen Gottes irgendwie festzuhalten – sei es nun sprachlich, sei es bildlich oder sonst wie. Lore Demel macht mit ihren WasserHäuten sehr wohl etwas sichtbar; sie hält in Momentaufnahmen etwas fest, das so normalerweise nur schwer zu sehen und jedenfalls von seinem Wesen her eigentlich nicht festzuhalten ist: die Oberfläche von Wasser. Und doch müsste jede Behauptung als Illusion bestritten werden, damit sei das Wasser, damit sei wenigstens seine äußere Form und Erscheinung erfasst und gültig festgehalten. Bereits im Augenblick nach der Betätigung des Kameraauslösers ist die äußere Form des Wassers schon wieder eine ganz andere. Ja, man muss sogar sagen: Die verwendete Plastikfolie – und sei sie auch noch so dünn – macht zwar sichtbar, stellt aber selbst schon ein dem Wesen des Wassers widersprechendes Material dar; sie stört und zerstört gewissermaßen das, was sie sichtbar machen will, just in dem Moment, in dem sie ihre Aufgabe erfüllt. Die WasserHäute Lore Demels können somit als äußerst sinnvolle Metapher gelten für alle Versuche des Menschen in Kunst, Mystik oder Theologie, etwas vom Wesen Gottes mitzuteilen: Der Mensch hat gar keine andere Wahl, als dafür Mittel zu verwenden, die im Augenblick ihres noch so meisterhaften Einsatzes das, was sie eigentlich herstellen, enthüllen und nahe bringen sollen, zugleich wieder verstellen, verschleiern und verfremden. In dem Moment, in dem der Mensch etwas vom Wesen Gottes darzustellen versucht, entstellt er Ihn schon wieder. – Es wäre ein Fehlschluss, daraus überhaupt die Sinnlosigkeit jeder weiteren Auseinandersetzung mit Gott und seinem Wesen zu folgern. Wir haben – wie gesagt – dafür keine wirklich adäquaten Mittel. Aber indem der Mensch die Beschränktheit und Unzulänglichkeit seiner Ausdrucksmittel thematisiert und sich bewusst hält, gewinnt er doch zugleich und zumindest eine Ahnung vom wirklichen Wesen dessen, der sich hinter dieser Beschränktheit und Unzulänglichkeit verbirgt. Genau das aber leisten auch die Arbeiten Lore Demels: die Thematisierung der geradezu zur Widersprüchlichkeit gesteigerten Spannung zwischen zentralen Wesenszügen des Wassers und ihrer Darstellung. Danke.