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Zum Künstler

gerold tusch (*02/08/1969 in Villach)

AUSBILDUNG
1987-92 Studium: Malerei /Keramik Universität "Mozarteum" Salzburg
1992-94 Studium an der Gerrit Rietveld Akademie Amsterdam (Keramik)
seit 1994 Atelier in Salzburg

STIPENDIEN/PREISE
1993 Keramik-Stipendium des Bundesministeriums für Kunst
1995 Jahresstipendium für bildende Kunst der Stadt Villach
1995 Salzburger Keramikpreis
1996 Jahresstipendium für bildende Kunst des Landes Salzburg
1997 Förderungspreis des Landes Kärnten für bildende Kunst
2005 Anerkennungspreis beim "Salon Europeen des Jeunes Createurs" - Montrouge

AUSSTELLUNGEN
in Salzburg, Wien, Klagenfurt, Villach, Amsterdam, Den Haag, Bregenz, Gmunden, Judenburg, Mettlach, Gmünd, Hallein,
Goldegg,Himmelberg, Aarhus, Trento, München, Wiesbaden, Bern, Erfurt, Laibach, Görz, Molsberg


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Lebenslauf
Gerold Tusch (Silvie Aigner)

Das Vokabular der Versuchungen (Gottfried Goiginger)
In Schönheit leben oder sterben? (Katja Miksovsky)
Künstliche Paradiese und florale Phantasien (Peter Weiermair)
TONE, GLASUREN, BLENDWERKE (Sigrid Hauser)
Luxus in Zeiten von Safer Sex (Anselm Wagner)

 

 

Theologische Annäherung:
(Dr. Markus Schlagnitweit)

Apg 1,1-11: Die Himmelfahrt Jesu

Im ersten Buch, lieber Theophilus, habe ich über alles berichtet, was Jesus getan und gelehrt hat, bis zu dem Tag, an dem er (in den Himmel) aufgenommen wurde. Vorher hat er durch den Heiligen Geist den Aposteln, die er sich erwählt hatte, Anweisungen gegeben. Ihnen hat er nach seinem Leiden durch viele Beweise gezeigt, dass er lebt; vierzig Tage hindurch ist er ihnen erschienen und hat vom Reich Gottes gesprochen. Beim gemeinsamen Mahl gebot er ihnen: Geht nicht weg von Jerusalem, sondern wartet auf die Verheißung des Vaters, die ihr von mir vernommen habt. Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber werdet schon in wenigen Tagen mit dem Heiligen Geist getauft. Als sie nun beisammen waren, fragten sie ihn: Herr, stellst du in dieser Zeit das Reich für Israel wieder her? Er sagte zu ihnen: Euch steht es nicht zu, Zeiten und Fristen zu erfahren, die der Vater in seiner Macht festgesetzt hat. Aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde.
Als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken. Während sie unverwandt ihm nach zum Himmel emporschauten, standen plötzlich zwei Männer in weißen Gewändern bei ihnen und sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor? Dieser Jesus, der von euch ging und in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen.

Lk 17,20-21: Vom Kommen des Gottesreiches

Als Jesus von den Pharisäern gefragt wurde, wann das Reich Gottes komme, antwortete er: Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man es an äußeren Zeichen erkennen könnte. Man kann auch nicht sagen: Seht, hier ist es!, oder: Dort ist es! Denn: Das Reich Gottes ist (schon) mitten unter euch.

 

Leichte Silberwölkchen an der Wand, 2 schwere Prunkvasen im Raum … Gerold Tusch hat uns für die aktuelle kunstzeit06 Arbeiten zur Verfügung gestellt, die vom Sujet her typische Dekorationselemente darstellen, wie wir sie v.a. seit der barocken Kunst kennen, zumal aus der Kirchenkunst des Barock:

Was für einen anderen Zweck als bloße Dekoration sollten solche Prunkvasen auch sonst erfüllen? Man kann darin nicht einmal etwas aufbewahren. Man kann sie höchstens auf die Säule oder das Gesims etwa eines barocken Hochaltares stellen. Wozu? – Z.B. um als üppige Darstellung von Überfluss einem Raum ein noch festlicheres Gepräge zu geben; vielleicht auch nur um Leeräume zu kaschieren und aufzufüllen, weil barocke Festlichkeit eben keine Leerräume verträgt: Barocke Kirchenräume wollen keine stillen Meditationsräume sein, sondern Festsäle – Vorwegnahme verheißener himmlischer Freuden, vielleicht im bewussten Kontrast zur oft als trostlos und leidvoll erfahrenen Alltagsrealität, vielleicht auch als Fluchtorte, um dieselbe leichter ertragen zu können.

Ähnlich, vielleicht sogar noch deutlicher spürbar wird dieser Charakter des Überflüssigen, das nur dazu dient, Leerstellen auszufüllen, an diesen Silberwölkchen an der Wand: Wir kennen solchen Wolkenschmuck als typische Umrahmung barocker Gemälde oder Skulpturen. Indem Gerold Tusch diese Rahmenelemente aber ihrer bloß dekorativen Funktion entkleidet und sie als Kunstobjekte selbst in den Mittelpunkt der Betrachtung rückt, provoziert er zugleich Fragen nach dem Sinn des Dekorativen in unserem Leben. Indem er das als bloß umrahmende Dekoration Gewohnte selbst zum zentralen Thema macht, erinnert er daran, welch breiten und zentralen Raum wir gemeinhin und mit großer Selbstverständlichkeit der Dekoration unseres Lebens widmen: Denkt etwa an die Gestaltung unserer Wohnungen! Keine kahlen Wände bitte! Glasschränke mit Geschirr und anderem Hausrat, der mehr zum Anschauen denn zum ständigen Gebrauch dient, in unseren zentralen Wohnräumen; Bilder aus Künstlerhand, deren Auswahl sich mehr nach der Farbigkeit von Mobiliar und Vorhängen als nach anderen Kriterien richtet, usf.

Ich will jetzt nichts schlecht und keinem architektonischen Funktionalismus das Wort reden. Aber was ist die Bedeutung, die Funktion, der Sinn des Dekorativen in unserem Leben? – 2 mögliche Antwortversuche:

1. Ein eher negativ besetzter Ansatz: Das Dekorative in unserem Leben dient der Verschleierung, der Übertünchung, der Kaschierung einer Realität, die anders, die in ihrer Nacktheit nur schwer zu ertragen wäre. Wir halten Leerräume schwer aus: weil sie z.B. unangenehme Fragen stellen; weil sie die Unfertigkeit, Beschränktheit, Unerfülltheit der eigenen Existenz offen legen; weil sie mit der möglichen Sinnwüste des eigenen Lebens, des eigenen Strebens und Arbeitens konfrontieren – und dass es darauf keine in ihrer Letztgültigkeit sichere Antwort gibt, oder zumindest noch keine gefunden wurde.

2. Ein viel positiver besetzter Ansatz zu Bedeutung, Funktion und Sinn des Dekorativen: Totale Lebensbejahung; Freude am Spiel und an der Lustbarkeit der Sinne; Feier des Lebens in seiner ganzen Üppigkeit und Unbesiegbarkeit mit allen Fasern der eigenen Existenz; Freude und Lust am an sich Bedeutungs-, Funktions- und Sinnlosen, weil das Leben als Geschenk erfahren wird, das seinen Sinn bereits in sich selbst, in seiner Geschenkhaftigkeit trägt und keiner weiteren Begründung und Rechtfertigung mehr bedarf.

Die Tatsache, dass dekorative Elemente in unseren religiösen Räumen – nicht immer und überall, nicht z.B. in diesem Raum der Stille! – häufig eine große Rolle spielen, zumal in den Kirchenräumen des Barock – diese Tatsache ruft letztlich die Frage nach der Bedeutung, nach Funktion und Sinn der Religion in unserem eigenen Leben wach: Dient der Glaube an Gott, dient der Glaube an ein uns von Gott zugesprochenes Heil und Leben in Fülle – dient dieser Glaube a) auch nur als Projektionsfläche ewig unerfüllt bleibender Sehnsucht oder als bloßer Fluchtort, um die als hart, leidvoll und sinnlos erfahrene Realität irdischer Existenz besser ertragen zu können? Wird Religion damit selbst zur bloßen Dekoration des eigenen Lebens und Gott zum Lückenbüßer zur Auffüllung und Kaschierung realer und nur schwer auszuhaltender Leerräume und unbeantworteter Fragen und Sehnsüchte? Religion als bloßes Wellness-Programm zur Erholung für die Seele also? – Oder b) Könnte Religion, könnte unser Glaube an einen liebenden Schöpfergott – über alle Leid- und Endlichkeitserfahrung hinweg! – nicht gerade zur Begründung dafür werden, das eigene Leben ohne Wenn und Aber anzunehmen, zu bejahen und zu feiern mit allen Fasern dieser uns geschenkten Existenz, also auch mit allen Sinnen. Religion also nicht als Dekoration – sondern umgekehrt: die Dekoration, die Verzierung und Aus­schmückung des Lebens mit allen zu Gebote stehenden Mitteln als Ausdruck religiöser Dankbarkeit und Lebensbejahung!

Ich glaube, dass wir in der Realität beiden Phänomenen und Zugangsweisen begegnen. Ich bin zugleich aber überzeugt davon, dass unser biblischer Glaube uns gerade zum zweiten der dargestellten Ansätze ermächtigt und ermutigen will: Für den ersten Ansatz – Religion als Methode der Weltflucht, der Verlagerung aller Heilserwartung in ein unbestimmtes Jenseits und der Kompensation existenzieller Sinnlosigkeitserfahrung – für dieses Verständnis von Religion stehen gewissermaßen diese „Männer von Galiläa“ aus der heutigen Lesung, die da unverwandt in den Himmel als ferne Projektionsfläche starren. Menschen wie sie brauchen barocke Silberwölkchen vielleicht wirklich zur Verschleierung des Blicks vor der irdischen Realität. In der biblischen Lesung müssen sie sich aber vorhalten und erinnern lassen, dass der, den sie erwarten, nicht aus dem weltfernen Sehnsuchtsort Himmel, sondern aus der Gegenrichtung kommen wird: Jesus wird ebenso wiederkommen, wie sie ihn haben in den Himmel weggehen sehen, heißt es. Aber diese Himmelfahrt Jesu war ja genau besehen gerade keine raketenhafte direttissima in den Himmel, sondern ein Weg mitten durch diese Welt, ja sogar durch den Tod hindurch. Aus dieser Richtung ist er also wieder zu erwarten; in der Zuwendung und Liebe zur Welt ist er zu finden! – Das Reich Gottes ist schon inmitten derselben, mitten unter uns gegenwärtig, sagt das vorhin gehörte Evangelium. Wenn das kein Grund ist, diese Welt, dieses Leben zu feiern – und deshalb auch auszuschmücken und zu verzieren mit allen zu Gebote stehenden Mitteln – und seien es Prunkvasen und Silberwölkchen.

Bleibt noch eine kritische Anfrage an diesen unseren, sonst ja völlig dekorationslosen, kahlen Raum der Stille: Ist er nicht Ausdruck von Weltverneinung, asketische Verachtung des Sinnlichen, Absage an ein Leben in Fülle? – Nein: Er möchte uns nur daran erinnern, dass die Feier des Lebens nicht einfach schon lebendig und echt wird durch bloße Äußerlichkeiten, durch bloßen Schmuck und Zierrat, sondern dass sie zuerst von innen, aus uns selbst heraus leben muss. Sonst wäre jede Dekoration ja doch nur Verzierung und Schmuck von etwas, das gar nicht da ist… Amen.

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