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Astrid Sonja Frauenlob - The Hidden Ones
“The Hidden Ones” ist eine narrative Sound-Installation, die in sprach- und raumübergreifenden sowie poetischen Verschränkungen und Geheimsprachen die Themen Stimme und Sprechen, Mensch und Kreatur, Geheimnis und Wirklichkeit verhandelt.
Die Klanginstallation basiert auf einem von Astrid Sonja Frauenlob entworfenen Text.
Dieser ist in einer Mischung aus englischen, italienischen und frei erfundenen Sprachelementen, die von musikalischen Sequenzen und Geräuschen unterstützt und ergänzt werden, zu hören. Jene Verborgenen, “The Hidden Ones”, sprechen über die Liebe, um über sich selbst zu sprechen, ohne sich in scheinbare Schlüssigkeiten einzufügen.
kunstzeit 07 wird am Mittwoch, den 22. November 2006 um 20.00 eröffnet.
Über die Künstlerin und ihr Werk spricht der Autor Peter Hodina.
Hochschulseelsorger Dr. Markus Schlagnitweit wird sich der Arbeit mit Überlegungen zum Thema „Sprache im Raum der Stille“ theologisch nähern.
Kuratorin von kunstzeit 07 ist Mag. Martina Gelsinger, Kunsthistorikerin und Bildungsreferentin der Katholischen Hochschulgemeinde Linz
Ausstellungsdauer: bis Donnerstag, 21. Dezember 2006
Die Sound-Installation ist von 23. November bis 21. Dezember von Montag bis Donnerstag, um 9.00, 12.00, 15.00, 20.00 Uhr und nach Vereinbarung zu hören.
Astrid Sonja Frauenlob , geboren 1977, ist eine Sprach- und Stimmkünstlerin, die in ihrer Arbeit durch poetische Verschränkungen auf der Schnittstelle zwischen linearem Erfassen von Sprache und innerem Verstehen balanciert. In ihren Installationen werden Sprachen vermischt, Geheimsprachen gesprochen und Stimmen einander überlagert. Anstatt Bilder vorzugeben aktiviert sie innere Bilder und lässt auf diese Weise Rezipienten den Raum einer Geschichte betreten. Mit „The Hidden Ones“ hat Astrid Sonja Frauenlob 2006 ihr Studium der Bildhauerei bei Prof. Renate Herter an der Kunstuniversität Linz abgeschlossen.
Raum der Stille an der Universität
Die ehemalige Hauskapelle der Katholischen Hochschulgemeinde Linz wurde im Jahr 1968 errichtet. Im Rahmen der Neugestaltung 2001/02 erfuhr der Raum eine konzeptionell völlig neue Ausrichtung als interreligiöser „Raum der Stille an der Universität“. Die künstlerische Umsetzung oblag den jungen Kunstschaffenden Andrea Barth (Studienrichtung Architektur), Andrea Krenn (Studienrichtung Malerei) und Peter Kulev (Studienrichtung Metall), die mit ihrem Teamprojekt den an der Linzer Kunstuniversität ausgeschriebenen Wettbewerb für sich entschieden.
Das von ihnen verfolgte Konzept besticht durch weitgehende Integration der ursprünglichen Bausubstanz ebenso wie durch radikale Klarheit und Konsequenz in materieller sowie formaler Hinsicht. In seiner „wüstenhaften“ Kargheit stellt der Raum einen bewussten Gegenpol zur reizüberfluteten und hektischen Atmosphäre pulsierenden universitären Lebens dar und bietet zugleich Freiraum für vielfältige Formen religiöser Nutzung sowie für temporäre künstlerische Gestaltungen.
Seit dem Wintersemester 2003/04 findet einmal pro Semester die Ausstellungsreihe „kunstzeit“ in Kooperation mit dem Kunstreferat der Diözese Linz im Raum der Stille statt. Abwechselnd sind dabei junge Studierende der Kunstuniversität Linz und bereits etablierte Kunstschaffende mit ihren Arbeiten und Objekten zu Gast.
Damit wird der Versuch unternommen, zeitgenössische Kunst in einem interreligiösen Gebets- und Feierraum zu thematisieren.
Die Sound-Installation von Astrid Sonja Frauenlob steht auch für eine bewusste Erweiterung des Kunstbegriffs im Sinne der Thematisierung von Sprache und Stimme als künstlerische Ausdrucksform.
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Theologische
Annäherung:
(Dr. Markus Schlagnitweit, Hochschulseelsorger)
Für mich erfüllt Kunst u.a. die Funktion, Ungesehenes sichtbar, Ungehörtes hörbar, Ungedachtes bewusst zu machen. Deshalb hat mich diese sehr stark von Sprache geprägte Sound-Installation von Astrid Sonja Frauenlob zunächst einmal näher hinhören lassen auf die Verwendung von Sprache in diesem Raum der Stille. Denn natürlich ist auch dieser Raum oft genug nicht wirklich still, sondern erfüllt von Geräuschen, von Musik und insbesondere auch von Sprache.
Mitunter wird in diesem Raum ganz banal gesprochen – im Sinne von alltäglicher Verständigung: vor und nach Gottesdiensten, kunstzeiten, Musikproben, gemeinsamen Meditationsübungen etc.
Einem spezielleren Sprachgebrauch begegnen wir in den Liturgien und Gebetsstunden, die hier gefeiert bzw. abgehalten werden (auch von Angehörigen nicht-christlicher Religionen, v.a. Muslimen): Es ist nicht so sehr Sprache zur Verständigung, sondern Sprache als Ausdruck religiöser Haltungen und Handlungen: Bitte und Dank, Verkündigung und Erklärung. Was dabei zu hören ist an Worten, Sätzen, Gestammel, trägt hauptsächlich monologischen Charakter. Falls es sich dabei auch um Dialog handelt (etwa zwischen Gott und Mensch), so ist er nicht als solcher hörbar – zumindest nicht für Dritte.
Wenigstens von den Inhalten, aber auch vom Genus der Texte dieser Sound-Installation her lassen sich zu diesem spezielleren Sprachgebrauch im Raum der Stille bereits Anknüpfungspunkte finden: Die Sprache der Liturgie und zumindest der gesprochenen Gebete ist eigentlich niemals Alltagssprache. Im schlimmeren Fall trägt sie einen weltfremden, abgehobenen oder einfach antiquierten Charakter. Ist sie von höherer Qualität, ist es immer noch „Kunstsprache“: literarische Sprache bis hin zur Poesie. Wie in der Sound-Installation ist es nicht immer wichtig, das darin Ausgesprochene Wort für Wort zu verstehen; der bloße Klang, die darin und dadurch evozierte Atmosphäre genügt oft für das, was ausgedrückt, mitgeteilt, verstanden werden will.
Was religiöse Sprache fast immer ist (egal in welchem Kontext sie näherhin begegnet): Sie ist Ausdruck von Sehnsucht und Suche nach einem Gegenüber, nach Heil und Glück; und es ist Beziehungssprache, wenngleich nicht immer in erotischem Sinn (eher sogar selten, aber doch auch mitunter). Es kommt nicht von ungefähr, dass sich in der jüdisch-christlichen Bibel auch Liebeslyrik findet. Auch daran erinnert mich die Sound-Installation.
Die Sound-Installation von Frau Frauenlob hat aber nicht nur Erinnerungen an und Reflexionen über den auch sonst in diesem Raum der Stille hörbaren Sprachgebrauch wach gerufen. Sie provoziert in mir auch eine kritische Anfrage an die Bezeichnung dieses Raumes: Raum der Stille. Ich frage mich: Gibt es überhaupt so etwas wie Stille – wirkliche, absolute Stille –, solange wir leben? Ich meine jetzt nicht den physikalischen Zustand absoluter (oder nahezu absoluter) akustischer Schwingungsabsenz. Es soll ja tatsächlich möglich sein, mit speziellen Materialien Räume herzustellen, die jedes Geräusch vollkommen absorbieren und verschlucken, sodass sämtliche Geräusche, die nicht über den Resonanzraum des eigenen Körpers, also „von innen“ an unser Trommelfell gelangen, abgefangen werden, bevor sie unser Ohr erreichen können. Solche akustisch toten Räume mag es geben. Stille – wirkliche, absolute Stille – vermögen solche Räume deshalb immer noch nicht herzustellen, sofern Stille auch die Absenz jeglicher Form von Sprache bedeutet. Denn selbst, wenn von außen kein einziges störendes Geräusch oder Wort an unser Ohr dringen sollte, so redet „es“ doch unaufhörlich in uns weiter:
Das, was wir gemeinhin Gedanken, Assoziationen, Empfindungen nennen, was sich also praktisch unaufhörlich in unseren Gehirnen abspielt, trägt in vielen, vielleicht sogar in den meisten Fällen den Charakter von Sprache – vielleicht noch neben Bildern oder anderen Sinneswahrnehmungen. Wobei ich glaube, dass die akustischen Wahrnehmungen in unserem Kopf überwiegen: Es kommt nicht von ungefähr, dass es möglich ist, etwa den Geruchs- oder Augensinn abzuschließen; wenn dagegen die Ohren völlig versiegelt sind, hören wir immer noch das Rauschen des Blutes oder andere Körpergeräusche in uns – und unsere Gedanken. Es gibt keine wirkliche Stille – zumindest solange wir leben. Und es sind nicht nur undifferenzierte, physikalische Geräusche von außen oder innen, die sie stören – sondern in vielen Fällen eben Sprache bzw. Sprachliches in allen Schattierungen von der größtmöglichen Klarheit und Deutlichkeit bis hin zum völlig unverständlich bleibenden Sprachfragment: Buchstaben, Wort- und Satzfetzen – aber doch nie ohne sprachliche Textur.
„Es“ spricht in uns – unauf-hör-lich. Vielleicht werden mir Meister etwa der Zen-Meditation jetzt widersprechen, aber ich bezweifle den Zustand absoluter Sprachlosigkeit und absoluter Stille auch in diesem Sinn. Die Bezeichnung „Raum der Stille“ ist insofern eigentlich eine Irreführung. Dieser Raum möchte vielmehr eines: die vielen anderen Sinnesreize, die uns ununterbrochen umgeben und auf und in uns eindringen, bis zu einem gewissen Grad von „Stille“ reduzieren. Er möchte so etwas wie „Reizarmut“ herstellen, weil er uns aufmerksam machen will, auf das, was da unaufhörlich in uns redet, und was wir ansonsten so selten bewusst wahrnehmen. Ich gehe zumindest davon aus, dass dieses nahezu unaufhörliche Sprechen unserer Gedanken auch der (oder zumindest ein) bevorzugte(r) Ort religiöser Kommunikation ist.
Dazu will dieser Raum der Stille auffordern bzw. einladen. Das ins Bewusstsein zu heben – dazu könnte aber auch diese Sound-Installation imstande sein