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Ewald Walser
„Ein Bild ist das Auftauchen an einem anderen Ort. “ (Montaigne)
Ewald Walser ist in Linz als Maler, Lehrender an der Kunstuniversität, und langjähriger Leiter der Galerie MAERZ kein Unbekannter. Dem Leben mit der Kunst ging für ihn jedoch ein anderer Berufswunsch voraus: Als 12-Jähriger wollte Ewald Walser Missionar werden. Den Weg zum Künstler schlug er über Umwege ein – wenngleich er die Tätigkeit eines „Missionars“ im Rückblick auf die letzten vier Jahrzehnte seines Lebens unter anderen Vorzeichen ausübte.
Der Weg zum Missionar führte ihn zunächst für einige Jahre in Ordensgymnasien nach Bischofshofen und Schlierbach. Der Wunsch, künstlerisch zu arbeiten und der Drang, aus den starren Strukturen auszubrechen waren stärker als die ursprüngliche Berufswahl: Ewald Walser begann seine Ausbildung an der damaligen Kunstschule der Stadt Linz und schloss 1969 die von Alfons Ortner geleitete Meisterklasse für Freie Grafik ab.
Schon während des Studiums erkannte Walter Kasten, der damalige Leiter der Linzer Neuen Galerie, sein Potenzial und beschäftigte ihn für drei Jahre in den verschiedensten Bereichen seines Kunstbetriebes. Kasten setzte großes Vertrauen in den jungen Maler: Er übertrug dem erst 19-Jährigen einen Vortrag über moderne Kunst im Linzer Bildungshaus Jägermayrhof. An die damalige Nervosität, wie an den Rat von Walter Kasten, besser Galerist als Maler zu werden, erinnert sich Ewald Walser heute noch lebhaft. Walser sog alles Wissen, das ihm in der Neuen Galerie geboten wurde, auf, blieb aber der Leinwand treu. Nachdem er 1976 die Leitung der Galerie der Künstlervereinigung MAERZ übernahm, prägten die Organisation von Ausstellungen und die Kontakte mit KünstlerInnen Jahrzehnte seines Lebens. Seine Antriebsfeder war die damalige Aufbruchsstimmung in Linz, die auch mit dem Beginn der Prägung eines kulturellen Profils der Stadt einherging. Aus dem Wunsch, diese Phase mitzugestalten wurden schließlich 23 Jahre, in denen er die Geschicke des MAERZ leitete.
Seit nahezu drei Jahrzehnten unterrichtet Ewald Walser auch an der heutigen Kunstuniversität. 1979 erhielt er von Prof. Fritz Riedl das Angebot, in der neu gegründeten Meisterklasse für Textil Grundlagenfächer zu unterrichten. Riedl wusste, dass Walser aufgrund seiner Tätigkeiten und Interessen ein profunder Kenner des Kunstschaffens im 20. Jahrhundert war.
1989, im Jahr als der eiserne Vorhang fiel, baute Walser erste Kontakte zu Russland auf. In den darauf folgenden Jahren entwickelte sich durch sein Engagement ein reger Austausch zwischen österreichischen KünstlerInnen und KollegInnen aus Russland, der Ukraine und Litauen: Mitte der 1990er Jahre organisierte er auch die erste Gruppenpräsentation zeitgenössischer österreichischer Künstler in Perth in Australien. Selbst unternahm er zahlreiche Studienreisen, u.a. nach Südostasien und Südamerika. Den Kontakt zu Russland pflegt er, nicht zuletzt durch seine Frau, die Malerin Katja Vassilieva, noch heute.
Zurückblickend auf die mehr als vier Jahrzehnte seines Wirkens ist er seinem ursprünglichen Berufsziel in verwandelter Form treu geblieben: Als Lehrer an den Studienrichtungen für Textil, Keramik und Textilem Gestalten, wo er Generationen von Studierenden begleitete, sowie bis 2003 als ehrenamtlicher Präsident der Künstlervereinigung MAERZ
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Slow view
Zu seinen vielfältigen Aufgabengebieten abseits der eigenen Malerei meint Walser: „Die Entwicklung hat auch immer etwas mit der Zeit zu tun, in der man nicht malt.“
Die Wertigkeit eines Bildes liegt für ihn jedenfalls nicht am Inhalt: „Es ist egal, ob man eine Madonna oder einen Kohlkopf malt – wie Liebermann sagte – in der Kunst geht es um das ´Wie?´. Es geht darum, für etwas, wofür es noch keine Form gibt, eine Form zu finden.“
Die Bilder von Ewald Walser erschließen sich in vielen feinen Schichten, die er mit Dispersions- und Acrylfarbe über die Leinwand legt. Farbschichten, die sich verdichten, den Blick auf einer Lichtung ruhen und zugleich immer wieder in die Tiefe tauchen lassen.
In seinen abstrakten Kompositionen finden sich oft auch Andeutungen von Gegenständlichkeit in Form von Objekten oder landschaftlichen Bezügen. Immer scheinen die Arbeiten auch Raum und Zeit entzogen zu sein und gleichsam zu schweben.
Bei der Betrachtung künstlerischer Arbeiten stellt sich für Ewald Walser die grundlegende Frage: „Werde ich innerlich berührt?“ Analog dem Modebegriff des „slow food“ lassen sie sich nur im „slow view“ erschließen. Die sinnliche Qualität von Material, die Stofflichkeit in künstlerischen Arbeiten spielen für Ewald Walser eine zentrale Rolle. Malerei hat für ihn auch immer etwas mit Transzendierung zu tun: „Ein rein formales Spiel interessiert mich nicht. Gute Maler sind für mich mehr als Bildermacher.“
Es geht vielmehr darum, ob mich etwas anrührt
Kunst kann für Ewald Walser weder in Systemen eingeordnet werden noch ist sie mit Begriffen wie „Innovation“ fassbar: „Es gibt keinen Fortschritt in der Kunst“, ist Walser überzeugt. „Es geht vielmehr darum, ob mich etwas anrührt.“ Eine künstlerische Arbeit überzeugt ihn, wenn sie „mehrere Ebenen von Lesbarkeit hat“.
Der Intention der Bilder von Ewald Walser entsprechen Räume, in denen Menschen zu sich kommen können. Unter dem Titel „Ein Bild ist das Auftauchen an einem anderen Ort“ laden in der Reihe „kunstzeit“ im Raum der Stille an der Universität in der Katholischen Hochschulgemeinde Linz bis 21. Dezember aktuelle Arbeiten von Ewald Walser zum „eintauchen“ in die Stille ein (KHG Linz, Mengerstraße 23, 4040 Linz, www.khg-linz.at oder 0732/244011-73).
Martina Gelsinger, November 2007
Dieser Text erscheint in der Dezember-Ausgabe des OÖ Kulturbericht (Monatszeitschrift der OÖ. Landeskulturabteilung).
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Raum der Stille an der Universität
Die ehemalige Hauskapelle der Katholischen Hochschulgemeinde Linz wurde im Jahr 1968 errichtet. Im Rahmen der Neugestaltung 2001/02 erfuhr der Raum eine konzeptionell völlig neue Ausrichtung als interreligiöser „Raum der Stille an der Universität“. Die künstlerische Umsetzung stammt von den jungen Kunstschaffenden Andrea Barth (Studienrichtung Architektur), Andrea Krenn (Studienrichtung Malerei) und Peter Kulev (Studienrichtung Metall), die mit ihrem Teamprojekt den an der Linzer Kunstuniversität ausgeschriebenen Wettbewerb für sich entschieden.
Das von ihnen verfolgte Konzept besticht durch weitgehende Integration der ursprünglichen Bausubstanz ebenso wie durch radikale Klarheit und Konsequenz in materieller sowie formaler Hinsicht. In seiner „wüstenhaften“ Kargheit stellt der Raum einen bewussten Gegenpol zur reizüberfluteten und hektischen Atmosphäre pulsierenden universitären Lebens dar und bietet zugleich Freiraum für vielfältige Formen religiöser Nutzung sowie für temporäre künstlerische Gestaltungen.
Seit dem Wintersemester 2003/04 findet einmal pro Semester die Ausstellungsreihe „kunstzeit“ in Kooperation mit dem Kunstreferat der Diözese Linz im Raum der Stille statt. Abwechselnd sind dabei junge Studierende der Kunstuniversität Linz und bereits etablierte Kunstschaffende mit ihren Arbeiten und Objekten zu Gast.
Mit der Reihe „kunstzeit“ wird zeitgenössische Kunst in einem interreligiösen Gebets- und Feierraum thematisiert.
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Theologische
Annäherung:
(Dr. Markus Schlagnitweit, Hochschulseelsorger)
„Stückwerk ist unser Erkennen und Stückwerk unser Prophezeien.“
Sie alle kennen vermutlich den gesetzlich vorgeschriebenen Usus, am Ende von Massen-eMails, elektronischen Newslettern und dgl. den Vermerk anzubringen, wo bzw. wie man derartige Sendungen abbestellen bzw. unterbinden kann, wenn man sie in Hinkunft nicht mehr zu empfangen wünscht. – Eine ähnliche, analoge Vorschrift müsste es eigentlich auch für Theologen geben: die Verpflichtung nämlich, allen ihren schriftlichen oder mündlichen Gottes-Reden, Predigten etc. dieses Paulus-Wort von der Beschränktheit allen Erkennens und Aussagens voranzustellen – als warnender Vermerk für die Leser- bzw. Zuhörerschaft und als Erinnerung bzw. Selbstvergewisserung für die Theologen selbst.
„Stückwerk ist unser Erkennen und Stückwerk unser Prophezeien.“
Wenn es nämlich eine theologische Ursünde bzw. auf Seiten des Publikums ein Grundmissverständnis theologischer Rede gibt, dann besteht sie bzw. es v.a. darin: die in solcher theologischer Rede verwendeten Bilder und Aussagen zu verwechseln mit der Wahrheit über Gott selbst bzw. mit der Wirklichkeit Gottes. Die wohl schlimmste Verirrung besteht für einen Theologen darin, zu meinen bzw. andere glauben zu machen, die eigene Gottes-Rede sei imstande, irgendetwas Letztgültiges, Unumstößliches, positiv Fassbares von Gott auszusagen. Die schlimmste (Selbst-) Täuschung besteht für einen Theologen darin, so zu tun, als hätte er die Wahrheit ergriffen, würde sie schon besitzen und könne sie nun bekömmlich portioniert verteilen. Das vielleicht wichtigste theologische Grundaxiom lautet dagegen: „Was von bzw. über Gott gesagt werden kann, ist Ihm stets unähnlicher als ähnlich.“ Oder eben:
„Stückwerk ist unser Erkennen und Stückwerk unser Prophezeien.“
Dementsprechend kann m.E. die Hauptaufgabe der Theologie eigentlich gar nicht darin bestehen, irgendwelche Antworten auf die Gottesfrage zu ersinnen und zu verbreiten (und schon gar nicht natürlich Antworten auf Fragen, die gar niemand gestellt hat); die weitaus angemessenere Hauptaufgabe der Theologie wäre es vielmehr, die Frage bzw. die Fragen nach Gott selbst wach und in Schwebe zu halten, d.h. auch und gerade vorgeblich letztgültige Antworten zu entkräften, als beschränkt zu entlarven und auf diese Weise den unbedingten Freiraum zu sichern und zu verteidigen, der für die persönliche Auseinandersetzung und authentische Begegnung des Menschen mit Gott Voraussetzung ist und möglicherweise (!) selbst schon eine wesentliche Gotteserfahrung darstellt.
Was haben diese Gedanken eines hoffentlich auch selbstkritischen Theologen mit dem malerischen Werk Ewald Walsers zu tun? – Nun, auch diesen Bildern gegenüber maße ich mir nicht an, authentisch zu interpretieren. Meine Rede hier ist nichts weiter als der vielleicht exemplarische Versuch, in Worte zu fassen, was diese Bilder in einem sich diesen Bildern nähernden Theologen wachzurufen imstande sind an Gedanken, Assoziationen, Impulsen.
Vielleicht könnten derartige Zugänge und Gedanken von abstrakter Kunst generell ausgelöst, provoziert, angeregt werden; Ewald Walsers Malerei vermag es bei mir aber jedenfalls in besonders eindringlicher Weise: Die insgesamt gedämpfte Farbpalette dieser Bilder, verstärkt noch durch die matte Oberflächenwirkung der verwendeten Dispersionsfarbe und die insgesamt unscharfen Konturen der Farbflächen bzw. des Pinselstrichs – dennoch oder vielleicht gerade deshalb (?) wirken diese Bilder auf mich keineswegs leblos – im Gegenteil: In ihnen begegnet eine in permanenter Schwebe gehaltene Lebendigkeit – zwar keine exzessive, überbordende, gewaltsame Vitalität, aber doch pulsierend, atmend, webend – sogar „ekstatisch“ im Sinne eben der Nicht-Statik, der Nicht-Fassbarkeit und der freien Bewegung. Diese Bilder sprechen von etwas, das gewissermaßen verschleiert und unter / hinter seinem Schleier dennoch zweifellos lebendig ist; erkenn- und erahnbar, aber nicht fass- und greifbar bzw. begreifbar; gegenwärtig / präsent und doch entzogen, unverfügbar, frei.
Mehr Fragen wach haltend als Antworten gebend; mehr anregend als feststellend; mehr freisetzend und Freiräume eröffnend als definierend. Ewald Walsers Bilder sprechen von etwas, was eigentlich auch Gegenstand der Theologie sein könnte – und sprechen davon in einer Weise, wie sie eigentlich auch der Theologie, der Gottesrede angemessen wäre. Amen.