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kunstzeit 17

Therese Eisenmann - "Wasser"

Eröffnung: Mittwoch, 09. November 2011, 20.00 Uhr
Raum der Stille, Katholische Hochschulgemeinde, Mengerstraße 23, A-4040 Linz

Am 09. November wurde im Raum der Stille die mittlerweile 17. kunstzeit eröffnet. Bis 16. Dezember 2011 zeigt Therese Eisenmann ihre Arbeit unter dem Titel "Wasser"

Therese Eisenmann, geboren 1953 in Gosau, Salzkammergut
1977 Diplom der Hochschule für Gestaltung in Linz, seither freischaffend.
Ein von Umzügen und Brüchen geprägtes Leben.Verbrachte 14 Jahre in Südtirol (Oberer Vinschgau, Eisacktal),
lebt und arbeitet seit Juni 2005 in Neumarkt im Mühlkreis.Verbrachte insgesamt 13 Sommer im Hochgebirge, großteils im Zelt.
Entstanden sind zahlreiche Gebirgsbilder aus Gosau, aus dem Martelltal (Südtirol, in 2465 m Seehöhe), sowie Arbeiten in Steinbrüchen. Starke Beziehung zur Natur, zu Naturphänomenen.
Ein ausführliches Werk zu den Themen: Wasser, Licht, Frau (Tanz, Bewegung)

Theologische Annäherung: Hochschulseelsorger Dr. Markus Schlagnitweit
Musikalische Gestaltung: Simon Wahl (acoustic fingerstyle guitar)

 




Homepage: www.therese-eisenmann.com

Raum der Stille an der Universität

Die ehemalige Hauskapelle der Katholischen Hochschulgemeinde Linz wurde im Jahr 1968 errichtet. Im Rahmen der Neugestaltung 2001/02 erfuhr der Raum eine konzeptionell völlig neue Ausrichtung als interreligiöser „Raum der Stille an der Universität“. Die künstlerische Umsetzung stammt von den jungen Kunstschaffenden Andrea Barth, Andrea Krenn und Peter Kulev, die mit ihrem Teamprojekt den an der Linzer Kunstuniversität ausgeschriebenen Wettbewerb für sich entschieden.

Das von ihnen verfolgte Konzept besticht durch weitgehende Integration der ursprünglichen Bausubstanz ebenso wie durch radikale Klarheit und Konsequenz in materieller sowie formaler Hinsicht. In seiner „wüstenhaften“ Kargheit stellt der Raum einen bewussten Gegenpol zur reizüberfluteten und hektischen Atmosphäre pulsierenden universitären Lebens dar und bietet zugleich Freiraum für vielfältige Formen religiöser Nutzung sowie für temporäre künstlerische Gestaltungen.

Seit dem Wintersemester 2003/04 findet einmal pro Semester die Ausstellungsreihe „kunstzeit“ in Kooperation mit dem Kunstreferat der Diözese Linz im Raum der Stille statt. Abwechselnd sind dabei junge Studierende der Kunstuniversität Linz und bereits etablierte Kunstschaffende mit ihren Arbeiten zu Gast.

Katholische Hochschulgemeinde, Mengerstraße 23, 4040 Linz, E-Mail, Telefon: 0732/244011-73



Fotos: Margarete Klug

Mehr Fotos:

 

Versuch einer theologischen Annäherung
von Dr. Markus Schlagnitweit, Hochschulseelsorger

Sehr geehrte Damen und Herren!
Ich versuche mich als Theologe – wie auch anders? – zunächst über den zentralen
thematischen Gegenstand von Therese Eisenmanns hier ausgestellter Arbeit anzunähern:
Wasser spielt in vielen Weltreligionen eine wichtige Rolle. Denken Sie etwa an den
Ganges, den heiligen Strom der indischen Hindus, an den Jordan als Grenzfluss und
Lebensader des gelobten Landes der Juden, an die allen 5 täglichen Gebetszeiten der
Muslime vorangehenden rituellen Waschungen. Im Christentum gleich welcher konfessionellen
Prägung ist Wasser seit den ersten Anfängen das zentrale Symbol des christlichen
Grundsakraments, der Taufe: Wasser begegnet uns dabei vor allem als Symbol für Gott
selbst. Als Grundstoff allen Lebens – ohne Wasser kann nichts leben, und praktisch überall,
wo es Wasser gibt, kommt auch Leben vor – symbolisiert das Wasser Gott als den
Urgrund und Erhalter allen Lebens. So wie in den antiken Taufliturgien und auch noch in
den Taufriten mancher christlicher Kirchen heutzutage die Täuflinge bei der Taufe vollständig
untertauchen im Taufwasser, sodass das Wasser sie ganz umfängt und nichts
ausgespart bleibt – so vollständig ist bzw. soll nach dem Zuspruch des Taufsakraments
das Leben der Getauften umfangen sein von Gottes Gegenwart.
Aber noch in einer weiteren Eigenschaft – nicht nur als Grundstoff allen Lebens – ist das
Wasser Metapher für den biblischen Gott: Viel wichtiger noch als etwa die Reinheit des
Wassers war den antiken Vorschriften zum Taufritus, dass die Taufe nach Möglichkeit in
fließenden Gewässern stattzufinden hatte, also in Bächen oder Flüssen. Nicht nur die Tatsache,
dass es ohne Wasser kein Leben gibt, sondern auch die dynamische Bewegtheit
des Wassers spielt also eine wesentliche Rolle in seiner religiösen Metaphorik für Gott.
Wie Sie vielleicht wissen, hatten die biblischen Religionen immer ein gespanntes Verhältnis
zu allen Versuchen der bildlichen Darstellung Gottes, was in manchen Phasen der
Religionsgeschichte zu radikalen Bilderverboten und sogar zu regelrechten Bilderstürmen
geführt hat. Das mosaische Gebot, sich kein Bild von Gott zu machen, soll seine Gläubigen
vor der Illusion bewahren, Gott sozusagen letztgültig darstellen, erfassen und begreifen
zu können. Denn das Wesen Gottes übersteigt jede menschliche Darstellungskunst
und jedes menschliche Begreifen. Gott ist immer „der ganz Andere“. – Das gilt übrigens
nicht nur für alle Versuche der bildlichen Darstellung Gottes, sondern schlichtweg für alle
Versuche, Gott begreifen bzw. begreifbar machen zu wollen, also auch für den Versuch
von bzw. über Gott zu reden; betroffen ist mithin auch mein ureigenes Geschäft, die Theologie.
Ein uraltes theologisches Grundprinzip besagt dementsprechend: Alles, was wir von
Gott bzw. über Ihn aussagen können, ist Ihm jeweils unähnlicher als ähnlich.
Das bildet für mich nun einen guten Anknüpfungspunkt an die in dieser kunstzeit ausgestellte
Arbeit Therese Eisenmanns. Es ist ja übrigens nicht das erste Mal, dass eine
Künstlerin unsere kunstzeit mit dem Thema „Wasser“ bestreitet. 2004 präsentierte Lore
Demel in diesem Raum unter dem Titel „WasserHäute“ Fotografien von Wasseroberflächen,
über die sie zuvor dünne Plastikfolien gelegt hatte. Sie hat dabei gleichsam
versucht, das sich unaufhörlich in Bewegung befindliche Element statisch einzufangen,
und sie hat dabei zugleich die Vergeblichkeit dieses Versuchs bzw. die Inadäquatheit
dieses Umgangs mit dem Element Wasser sichtbar gemacht.
Therese Eisenmann geht einen anderen Weg. Sie besitzt – wohl nicht zuletzt aufgrund
außergewöhnlicher biografischer Erfahrungen in der Auseinandersetzung mit Naturelementen
– ein tiefes Gespür für deren Unbändigkeit, Dynamik und Gewalt. Sie versucht
gar nicht erst, das seinem ganzen Wesen nach unentwegt Bewegte – nämlich einen Wasserfall
(Und was könnte es Bewegteres geben als einen solchen?) – in einer Momentaufnahme
in seiner Bewegung „einzufrieren“. (Einfrieren ist übrigens tatsächlich die einzige
Möglichkeit, einen Wasserfall zum Stehen zu bringen. Er verliert aber dabei nicht nur
seine Lebendigkeit, sondern überhaupt sein Aussehen, weil ihm durch den Prozess des
Einfrierens die ihn eigentlich konstituierende Zusammensetzung aus Abermillionen einzelner
Wassertropfen abhanden kommt.) Therese Eisenmann müht sich vielmehr darin ab,
die ihr zu Gebote stehenden künstlerischen Mittel so einzusetzen, dass sie dem bewegten,
jedem ordnenden Eingriff von außen sich entziehenden Wesen des Wasserfalls
möglichst adäquat werden – etwa im Pinselstrich oder in der Farbgebung. Um nicht
missverstanden zu werden: Es geht hier nicht um eine möglichst naturnahe Abbildung
eines Wasserfalls, sondern vielmehr um den Versuch, mit den Mitteln der Malerei seinem
Wesen nahezukommen: seiner unentwegten Bewegung, seinem in jedem Augenblick
einzigartigen Farbenspiel, seiner gewaltigen Dynamik und sich jeder Ordnung mit
Ausnahme der Fallrichtung entziehenden Kraft.
Das hier gezeigte Gemälde ist übrigens nicht das einzige Wasser-Bild Therese
Eisenmanns. In ihrem Wohnhaus und Atelier hat sie mir noch andere Bilder gezeigt, die
etwa sich brechende Wogen an einer Küste zeigen. Sie malt dabei aus dem Gedächtnis,
weil es ihr – wie gesagt – nicht um abbilden geht, sondern um ausdrücken eines inneren
Wesens, das sich zugleich jeder Festschreibung entzieht – mit den der Künstlerin eben zu
Gebote stehenden Mitteln.
Therese Eisenmann kommt mit dieser Aufgabenstellung an kein Ende. Darin liegt beinahe
etwas Tragisches. Die Wasser-Bilder Therese Eisenmanns und bereits ihr Unterfangen,
Wasser zu malen, können somit als äußerst sinnvolle Metapher gelten für alle Versuche
des Menschen in Kunst, Mystik oder Theologie, etwas vom Wesen Gottes auszudrücken:
Der Mensch hat gar keine andere Wahl, als dafür Mittel zu verwenden, die dem, was sie
eigentlich herstellen, enthüllen und nahe bringen sollen, niemals gerecht werden können
und die es im Augenblick ihres noch so meisterhaften Einsatzes, zugleich wieder verstellen,
verschleiern und verfremden. In dem Moment, in dem der Mensch etwas vom Wesen
Gottes darzustellen versucht, scheitert er schon daran. – Es wäre ein Fehlschluss, daraus
überhaupt die Sinnlosigkeit jeder weiteren Auseinandersetzung mit Gott und seinem
Wesen zu folgern. Wir haben – wie gesagt – dafür keine wirklich adäquaten Mittel. Aber
indem der Mensch nicht aufgibt und genau damit die Beschränktheit und Unzulänglichkeit
seiner Ausdrucksmittel thematisiert und sich bewusst hält, gewinnt er doch zugleich und
zumindest eine Ahnung vom wirklichen Wesen dessen, der sich jenseits dieser
Beschränktheit und Unzulänglichkeit verbirgt: Gott. Genau das aber leistet auch die Arbeit
Therese Eisenmanns, Wasser in seiner nie fassbaren Lebendigkeit und Kraft zu malen –
und dafür gebührt ihr Anerkennung und Dank.